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Ich werde AKTIV
#1
Auch an dieser Stelle nochmal hallo zusammen. Wer meine Begrüßungsworte lesen möchte kann das gerne hier tun: Meine Vorstellung

Mein letzter Konsum war am Montag und ich versuche mich seitdem am Reboot. Ich definiere heute trotzdem mal als meinen "offiziellen" Start, da das durch das Tagebuch hier mehr Hand und Fuß hat. Generell befinde ich mich schon seit ein paar Monaten bei einigen Umbrüchen in meinem Leben, manche mehr manche weniger. Seit September bin ich gewollt Arbeitslos und habe dadurch nat. auch mehr Zeit für das Arbeiten an der Sucht aber dadurch auch am Konsum. Ich Meditiere seit. ca. 1 Jahr und hoffe, dass auch dass hilft, meine Sucht loszuwerden. Außerdem bin ich seit ca. 2 Monaten alle 4 Wochen bei einer Beraterin, die mich unterstützt. Ich denke und hoffe den Rest selbst und ohne weitere professionelle Therapie zu schaffen.

Meine Haupttrigger:
- Langeweile/Prokrastination, vor allem wenn ich schon vorm Rechner sitze
- Druck / Trieb (egal was ich tue, mein Geist erinnert mich alle paar Sekunden / Minuten daran, wie schön es doch jetzt wäre, ein paar Filmchen anzusehen. Irgendwann gebe ich dann nach)
- Einige youtube videos (auf der Plattform halte ich mich generell zu viel auf): allen voran ASMR aber eben auch mal wenn man zufällig über eine Modenschau für Bademode o. Ä. stößt
- Manchmal Frauen, die ich auf der Straße sehe (den Druck baue ich dann nat. erst zuhause ab... Wink )

- Das bloße Öffnen des Browsers, dabei bemerke ich manchmal wie meine Hand automatisch zum Button für den Inkognitomodus fährt

Ich möchte meine Sucht loswerden weil ich:
- wieder mehr soziale Kontakte auch zu Frauen haben möchte, ohne diese gleich als Sexobjekt zu sehen
- mich in (m)einer Beziehung auf meinen Geist und damit meine Einschätzungen verlassen können möchte
- stärkere emotionale Bindungen zu Menschen haben und mit ihnen auch offen mit dem Thema umgehen möchte
- meine eigene, unbeeinflusste Sexualität inkl. Fetischen ausleben möchte, ich glaube das kann eine große geistige Befreiung sein

Mit meiner Freundin habe ich regelmäßig Sex, was enorm dabei hilft, dass der Suchtdruck gar nicht erst aufkommt. Ich merke dennoch, dass ich selbst an Tagen mit Sex (z.b. morgens) abends trotzdem wieder an Fetischmaterial denke. Auch beim Sex selbst denke ich manchmal an selbiges. Meiner Freundin gegenüber ist das sehr unfair. Meinen Fetisch würde ich gerne auch mit meiner Freundin ausleben, allerdings findet sie diese Praktiken nicht sonderlich reizvoll, was auch dazu führt, dass eben mein Druck größer wird, mir dann solche Reize von den Pornos zu holen.

Mein Konsumverhalten ist gar nicht so stark ausgeprägt, aber es ist dennoch eindeutig eine Sucht. Meiste sehe ich mir 2 mal die Woche Pornos an, dann ungefähr jew. 2 Stunden lang. Ich komme dabei nur einmal am Ende, da ich das Gefühl des Hinhaltens sehr genieße. Sobald ich gekommen bin fühle ich mich schlecht und all der Druck fällt komplett ab. Seit einigen Monaten bin ich mir schon recht bewusst was ich da tue, das schwerste ist aber wie immer, auch danach zu handeln. Ich fühle mich dabei häufig machtlos und meinem eigenen Geist hilflos ausgesetzt, fremdgesteuert und nicht mehr Herr der Lage. Es ist kein Wunder, dass ich dadurch immer unzufrieden sein werde.

Neben den Gesprächen mit meiner Beraterin habe ich mir ein paar Ideen parat gelegt, an die ich mich wenden kann, sobald ich den Drang spüre. Die kleben an meinem Bildschirm um sie immer parat zu haben. Wenn es wirklich "nicht anders geht", versuche ich ohne Filmchen und ohne eien Vorstellung davon zu masturbieren. Das klappt bisher noch selten, aber ich arbeite daran.

Heute merke ich den Druck mittelmäßig und ich bin sonst relativ produktiv. Gerade wird es etwas schlimmer, auch dadurch dass ich das hier schreibe. Danach werde ich erstmal in den Park zum Meditieren gehen und heute abend bin ich verabredet, das sollte also gut klappen.
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#2
Eine Woche ist vergangen.
Noch am ersten Tag hatte ich ein recht hohes Verlangen gespürt und konnte nicht standhalten, in dem Moment gibt es einfach nichts anziehenderes als Fetischmaterial anzusehen. Die Vorstellung davon im Kopf lässt meine Maus fast automatisch nach oben wandern in Richtung Inkognitotab starten.... leider konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen, allerdings habe ich es geschafft mich dabei nicht anzufassen und nach 10 Minuten war es dann auch vorbei und ich konnte alle Tabs schließen. Das war zwar ein kleiner Rückfall, aber auch eine Verbesserung. In diesen Momenten vergesse ich einfach alles um mich und es gibt nur noch die Pornos. Vor allem vergesse ich auch meine Unzufriedenheit, was vermutlich seinen Teil dazu beiträgt, überhaupt erst zu konsumieren. Der Konsum gibt mir vor allem auch Ruhe. Bei vielen anderen Aktivitäten, vor allem bei den geistigen, denke ich mir häufig, dass ich die Zeit auch irgendwie anders, sinnvoller verbringen könnte. Dieses Denken habe ich sogar in Momenten, in denen ich ja tatsächlich etwas sinnvolles tue. Wenn ich 3 Stunden lese, denke ich mir währenddessen häufig, was ich stattdessen machen könnte, welche Tätigkeiten mich stattdessen weiter bringen könnten. Bei 3 Stunden Pornokonsum hingegen merke ich das erst, wenn ich gekommen bin.

Ab Freitag war ich mit meiner Freundin bis Sonntag unterwegs und die Ablenkung war dadurch mehr als groß genug, sodass fast keine Gedanken an Filmchen aufkamen. Sonntag abend war ich dann noch mit bei ihr und wir hatten auch Sex. Am nächsten morgen haben wir es nochmal versucht aber ich war zu verkopft. Wenn es mal nicht klappt mit der harten Erektion setzt immer ein Teufelskreis ein, der ganz schnell dafür sorgt, dass ich schnell schlaff werde und dann ist es erstmal vorbei. Zwar habe ich es schon geschafft mich dabei etwas besser zu beobachten und zu merken wann dieser Teufelskreis anfängt, aber ganz davon losreisen kann ich mich noch nicht. Es ist aber schon wesentlich besser geworden, was auch daran liegt, dass wir uns mittlerweile recht vertraut sind. Eine echt miese Auswirkung der Pornos merke ich häufig, wenn mir "Makel" am Körper meiner Freundin auffallen. Obwohl es wirklich nichts schlimmes ist, stößt es mich manchmal etwas ab und meine Aufmerksamkeit ist dann stark diesen "optischen Mängeln" gewidmet, sodass meine Libido deutlich zurückfährt. Ich versuche es als Motivation zu nehmen, dass ich Makel irgendwann mal akzeptieren kann oder vllt. sogar gerade diese schön finde. Zur aktuellen Zeit fällt mir das allerdings äußerst schwer.

Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen da sie unterwegs ist und wir sehen uns erst morgen wieder. In den Tagen hatte ich viel freie Zeit (bin aktuell auch nicht erwerbstätig), durch das gute Wetter konnte ich allerdings viel draußen sein und ich habe mich 2 volle Tage mit dem Schrauben am Fahrrad beschäftigt. Das ist eine super Ablenkung für mich und es macht mir Spaß. Abends dann in den Tagen doch immer wieder Verlangen gespürt und ich konnte dem größtenteils standhalten. Größtenteils deshalb weil ich trotzdem noch konsumiere, aber ohne mich anzufassen und nach 20 Minuten schaffe ich es dann auch, damit aufzuhören. Ich versuche mir jetzt häufiger ein Bild wachzurufen, das mir hilft zu verstehen, was im Kopf passiert und dass es Alternativen dazu gibt, die eben nur mit Willenskraft zu erreichen sind. Das Bild habe ich von meiner Therapeutin. Es ist ganz einfach ein Zug, der auf einer sehr gut geschmierten und ausgebauten Schiene fährt, und auf der es keine Weichen gibt. Das reprästentiert die starke neuronalen Netze im Zusammenhang mit dem Pornokonsum. Der Zug fährt einfach im Kreis, ganz von alleine quasi. Mit Willen kann ich nun eine Weiche ins Gleis bauen, die anfangs noch sehr wakelig und nicht geölt ist, die ich aber im Laufe der Zeit verbessern kann und dem Zug eine andere Richtung verleihen kann. Wohin der Zug fährt, das entscheide dann ich.

Was mir besonders schwer fällt, ist den Frauen auf der Straße nicht hinterherzusehen. Ich scanne quasi im Dauermodus und bin stets auf der Suche nach einer Frau mit meinem Idealtypus. Das geht sogar soweit, dass ich dieser dann mehr oder weniger hinterherlaufe um sie länger ansehen zu können...
Dafür habe ich die letzten Tage auch 2 Frauen ein kleines Kompliment gemacht, was mich auch selbst immer ein bisschen freut, weil ich dadurch auch einfach die Angst etwas löse, mit fremden Menschen - und hier speziell Frauen - zu reden. Wirkliche Gespräche sind das noch nicht wirklich, aber es ist ein Anfang.

Heute geht es mir relativ gut und ich werde den Rechner auch bald wieder ausschalten, um gar nicht weiter in Versuchung zu kommen.
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#3
Habe jetzt nicht alles gelesen, aber fast. Meine Frage: Warum bist du freiwillig arbeitslos?

Makel hat jeder. Und an "Makel" wirst du nicht mehr denken nqch etwas Abstinenz, da wirst du vermutlich schon der 80jährigen Oma einen Balztanz aufführen.
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#4
Hey Traubensaft,
danke für dein Interesse, dein Tagebuch habe ich auch schon größtenteils gelesen und es hilft mir sehr dabei, motiviert zu bleiben. Danke dafür.
Zur Arbeit: Ist das eine reine Interessensfrage oder fragst du auch in Bezug auf die Sucht? In meinem eigentlichen Beruf (Ingenieur) habe ich mich nach 4 Jahren absolut nicht mehr wohl gefühlt und muss im Nachhinein auch sagen, dass ich mich in speziell dieser Stelle noch nie so richtig wohl gefühlt hatte. Eine reine Büroarbeit, mit wenig bis keiner Benutzung der Hände ist für mich nicht erstrebenswert. Da werde ich demotiviert, müde und es macht einfach keinen Spaß. Daher hatte ich die "Notbremse" gezogen.
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#5
(01.05.2021, 17:37)fladenjunge schrieb: Hey Traubensaft,
danke für dein Interesse, dein Tagebuch habe ich auch schon größtenteils gelesen und es hilft mir sehr dabei, motiviert zu bleiben. Danke dafür.
Zur Arbeit: Ist das eine reine Interessensfrage oder fragst du auch in Bezug auf die Sucht? In meinem eigentlichen Beruf (Ingenieur) habe ich mich nach 4 Jahren absolut nicht mehr wohl gefühlt und muss im Nachhinein auch sagen, dass ich mich in speziell dieser Stelle noch nie so richtig wohl gefühlt hatte. Eine reine Büroarbeit, mit wenig bis keiner Benutzung der Hände ist für mich nicht erstrebenswert. Da werde ich demotiviert, müde und es macht einfach keinen Spaß. Daher hatte ich die "Notbremse" gezogen.

Frage nur um zu wissen was deine Einstellung ist. Aber das hört sich gut an, wenn dir die Arbeit nicht gefällt... Gut den Mut zu haben und das auch einzugestehen. Ich hätte mir aber eher vorher etwas gesucht was mir vielleicht eher liegt und dann den alten Job gekündigt. So hängst du bißchen in der Luft hab ich den Eindruck. Und viel mehr Zeit zum Grübeln. Pass nur auf, dass arbeitslos sein nicht zur Norm wird, man wird schnell bequem. Toitoitoi dir auf jeden Fall!
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#6
Darüber hatte ich auch nachgedacht, nachdem allerdings der leidensdruck schon recht groß war und ich auch alles andere als sicher war, ob ich überhaupt im diesem Berufsumfeld bleiben möchte, war das für mich zunächst die beste Wahl. Dass man dadurch schnell bequem wird, da kann ich dir nur absolut recht geben, ich merke es ja selbst. Ich gebe weiter mein bestes, auch mit dem Job.


Die letzten Tage waren nun viel von Suchtgedanken geprägt. Ein kleiner, wichtiger Erfolg war jedenfalls vorgestern, als ich mich zum 1. mal dazu entschieden habe, laufen zu gehen als es "losging". Das hat sehr gut getan, auch wenn ich sagen muss, dass ich den Druck auch danach trotzdem weiter gespürt habe. Masturbiert habe ich seit meinem eingangsposting hier tatsächlich noch gar nicht, was ich ebenfalls als kleinen Sieg werte. Konsumiert leider das letzte mal Vorgestern, d.h. heute ist offiziell wieder Tag 2... Nichtsdestotrotz merke ich, dass sich etwas ändert! Häufig fühle ich mich wie gelähmt wenn der Suchtdruck aufkommt. Zu anderen Aktivitäten habe ich dann eig. kaum Lust. Selbst wenn ich es schaffe, diese auszuüben, muss ich doch anerkennen, dass ich sie mit wenig hingabe mache und im Hintergrund ständig weiter die alte Maschinerie läuft. Ich versuche es zu akzeptieren, wie sollte es auch möglich sein, dass sich in einer so kurzen Zeit das massiv ändert? Bis bald.
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#7
Hi Faldenjunge,

ich kann das sehr gut nachvollziehen was du beschreibst, das wenn du Suchtdruck spürst und "Ersatzhandlungen" machst um nicht Pornos zu konsumieren du diese mit wenig Interesse und Hingabe machst. Das ist bei mir anfangs genauso udn man denkst das man doch lieber wieder Pornos sehen will und alles andere Langweilig ist und dir einfach nicht das gibt was du gerade brauchst ...
Mein Tipp ist dann .. einfach weiter machen ... wenn du dich auf die anderer Tätigkeit einlässt (Sport, Musik ... was auch immer) dann wird der Suchtdruck verschwinden ... es mag nur vieleicht erst eine Weile dauern udn ein paar Wiederholugen benötigen das du etwas positives aus der neuen Tätigkeit ziehst und das Verlangen auf Pornos verschwindet.

Es ist nicht wie ein schalter den man einfach umlegt, sondern man muß sich selbst auf andere Dinge umstellen und umgewöhnen ... da gibt es eine Übergangsphase !

Weiter so ...
[Bild: nfc.php?da=nu&nfc=18564]
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#8
Lange habe ich nichts von mir hören lassen, aber nun ist es wieder mal soweit, die Erfahrungen und Fortschritte zu notieren. Falls jemand mitlesen sollte: Obacht, das wird vermutlich etwas mehr Text und ich schreibe nicht nur über das reine Loslassen der Pornosucht, werde aber versuchen, das das Kernthema sein zu lassen. Einerseits ist am Montag sowieso mein nächster Beratungstermin, und das hier hilft mir bei der Vorbereitung, zum anderen ist wirklich einiges passiert in den letzten Wochen, das ich selbst erstmal etwas ordnen muss. Daraus kann ich versuchen ein paar "Handlungsempfehlungen an mich selbst" formulieren. Besonders die letzten 2,5 Wochen waren recht intensiv, da ich mich auf eine etwas abgelegenere kleine Hütte in wunderschönem Umfeld ganz alleine zurückgezogen habe, um ein bisschen zu reflektieren, an ein paar Dingen zu arbeiten und einfach mal um zu sehen was passiert, wenn ich solange alleine bin. Ich versuche das Thema "wieviel Tage habe ich schon ohne M/P ausgehalten?" bewusst sein zu lassen, da ich das Gefühl habe, dass mich das kein Stück weiter bringt und ich mich dadurch eher noch mehr selbst fertig mache, wenn es mal wieder nicht geklappt hat. Das rechne ich mal dem Thema "positiveres Denken" zu, siehe dazu unten im Text (damit meine ich nicht eine "immer-gut-gelaunt-Küblböck-positive Energie-Einstellung" - und das auch wenn man mal scheiße drauf ist...).

Ich weiss gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Vllt hiermit: Was hatte ich mir vorgenommen? Im Zusammenhang mit dem Pornothema waren das:
- einen Meditationstag einlegen (sagen wir 4-5 Stunden insgesamt, mehr wäre mir definitiv erstmal zu hart)
- Briefe schreiben, an: Bekannte aus meiner Zeit im Auslandsssemester, meinen ehemaligen Chef (ohne ihn abzusenden vermutlich), und an mich selbst
- Nachdenken über die Sucht und meine Beziehung zu meiner Freundin (Erwartungen, Bedürfnisse etc)
- Nat. auch genug genießen und Entspannung, so denkt es sich am besten, das kann man ja nicht 10 Stunden am Tag machen
- Außerdem: Habe mir etwas feines eingepackt, das mich gut beim Denkprozess unterstützt
- und mir für Inspiration und im Falle von Langeweile oder dem Gefühl von Alleine sein ein bisschen was von meinem Lieblingsredner, Alan Watts, aufs Handy gezogen

Insgesamt ist mir das auch recht gut gelungen und ich werde die Zeit in dem Häuschen so werten, dass das ein guter Startpunkt ist, sowas auch mehr in den Alltag zu integrieren - wenn auch nat. nicht in dieser Intensität. Nun mal ins Detail, stichpunktartig.

Zunächst mal habe ich ein bisschen was zu meinem Konsumverhalten bemerkt:
-- Wonach ich suche: Meist solche Frauen, die die selben / ähnliche Vorlieben haben wie ich. Das gilt nat insbesondere bei Pornos, aber das geht auch schon aufs echte Leben über. Der Punkt ist ja, dass diese Suche nie aufhören wird, ich das Ziel also gar nicht erreichen kann.
-- Was mich auch triggert: Ich merke oft - vor allem wenn ich sowieso schon meine Libido spüre - dass ich unbewusst mit den Beinen nach links und rechts wippe... das stimuliert meinen Penis zumindest soweit, dass ich oft fast unbemerkt anfange nach Pornos zu suchen.
-- Ich habe bemerkt, dass ich so ganz ohne Handy oder komplett ohne Internetzugang ganz unzufrieden und hibbelig werde (das war mal 3-4 Tage lang der Fall, sonst hatte ich eingeschränkt Internetzugang). Dann meine ich, das Leben geht an mir vorbei (und bin mir aber bewusst, dass tatsächlich genau das Gegenteil passiert). Ich erwische mich immer dabei, alle 15-20 Minuten mal aufs Handy zu schauen / jemandem zu schreiben / mir etwas zu notieren / etwas nachzuschauen oder eben kurz mal ein Bildchen o. Ä. anzusehen. Ich tue das u. A. auch, weil meine unmittelbare Umgebung für mich irgendwie etwas langweilig geworden ist. Einfach nur in die Weite zu blicken fällt mir enorm schwer. Irgendeine Ablenkung brauche ich, wenn es schon nicht das Handy ist, wenigstens Musik oder was leckeres zum Essen / zum Trinken. Im Grunde weißt das auf einen ungesunden Dopaminhaushalt hin, denke ich. Ich werte das mal nicht zu sehr sondern versuche mir dessen bewusst zu sein, um in Zukunft eingreifen zu können.
-- Die beiden oder drei male, an denen ich mich alleine / mies gefühlt habe, habe ich mich ins Netz/Pornos/Unterhaltung geflüchtet. Andere Strategien damit umzugehen wären hier deutlich sinnvoller.
-- Mal wieder: Ich fange oft an mit dem Pornokonsum, weil ich mit den ganzen Aufgaben die ich mir so vorgenommen habe irgendwie überfordert bin und ich hunderte Dinge machen könnte, aber das ist alles so geistig anstrengend... und die Konzentration auf eins der Themen und das serielle "Abarbeiten" fällt mir sehr schwer. Meine neuronalen Netze sind dahingehend gefestigt, dass ich dann lieber dem Vergnügen hinterherjage. Diesbezüglich ist mir auch meine recht hohe Rastlosigkeit aufgefallen, die das Ganze mit verursacht. Ich denke das liegt u.A. auch daran, dass ich zu häufig am Rechner / Handy bin.


Ein paar Gedanken zum Thema Gefühle:
-- Habe mich zum ersten mal seit langem auf der Hütte wieder mal gut, und mal schlecht gefühlt. Normalerweise mittelt sich das aus zu einem mittleren "passt". Musste oft mal spontan auflachen, habe aber auch hin und wieder mal geweint (vor allem wenn es darum ging, etwas in meiner Kindheit zu wühlen).
-- Ich Schäme mich wirklich immens für meine Vorlieben, obwohl sie gar nicht so seltsam sind (das merke ich vor allem auch daran, dass es dazu ja genug Material im Internet gibt, woran ich mich aufgeile)
-- Generell habe ich wenig Kontakt zu meinen Gefühlen. Eine ehemalige Freundin hat manchmal sowas gesagt wie "spür das nochmal nach" o. Ä. und ich konnte damit eig. immer gar nichts anfangen. Unter Freunden gelte ich häufig als recht emotionslos (lustig und ernst zugleich gemeint). Dabei ist mein größtes Problem eher, meine Emotionen auch nach außen hin zu zeigen.
-- Erst im nachhinein habe ich gemerkt, dass mir Poesie dabei hilft, einen Kanal zu meinen Gefühlen zu öffnen. Meine Freundin hatte mir mal was von Erich Fried empfohlen und als ich das gelesen habe, habe ich irgendwas gespürt, war mir dessen in dem Moment aber gar nicht so recht bewusst. Durch ein anderes Buch das ich gelesen hatte ist mir aber klar geworden, dass mir das was gibt.
-- Mit Freunden oder Familie rede ich kaum bis gar nicht über Gefühle, irgendwie klassisch männlich. Mit den Frauen in meinem Freundeskreis schon mehr, aber auch zurückhaltend. Ich habe beschlossen, das zu ändern, sofern die anderen auch bereit dazu sind, mitzumachen. Ihnen auch einfach über meine Sucht und den Umgang damit erzählen. Das werde ich die nächsten Wochen vor allem machen und nur der Gedanke daran erzeugt ein immenses grummeln in meinem Bauch, als ob er sich wehren würde so viel Offenheit zu zeigen. Trotz dessen will ich es machen, ich denke das könnte eine ganz neue Ebene vieler meiner Freundschaften öffnen.
-- Speziell mit Hilfe der erwähnten "feinen Substanz" ist mir gekommen, ob nicht die Motivation hinter fast allem, was man aus all den Auswahlmöglichkeiten von dem was man sagen könnte, sagt, immer Gefühle sind? Und welchen wahnsinnigen Einfluss sie auf unsere Kommunikation haben. Mit einem Freund rede ich extrem gerne über unsere Erlebnisse beim Schrauben an Fahrrädern und dabei bin ich immer sehr ruhig, habe Lust auf das Gespräch und es macht Spaß. Wenn ich hingegen daran denke, wie ich mich fühle, wenn ich mit ihm mal über emotionalere Themen rede, sofern das mal vorkommt, dann fange ich schon beim daran denken ein bisschen an zu zittern, da wäre ich beim Gespräch verunsichert, nervös, ängstlich, redearm, gehemmt.
-- Weinen wirkt wirklich manchmal sehr befreiend. Wie ein Ventil, das sich irgendwann mal öffnen muss wenn sich etwas angestaut hat. Um dahin zu kommen muss man auch erstmal Gefühle zulassen. Bei mir kann es teilweise gar nicht so lange dauern, bis ich dahin komme. Sobald ich aber nicht alleine bin, kann ich das aber gar nicht mehr zulassen. Vor anderen Menschen zu weinen, das fällt mir immens schwer. Zwar merke ich wie mir die tränen kommen und meine Stimme zittert, aber raus lassen will ich es nicht. Auch hier ist denke ich das Thema Scham von großer Bedeutung für mich.
-- Ich denke ich weiss nun auch, warum meine Therapeutin so viel Wert darauf legt, dass ich Zugang zu meinen Gefühlen habe.



- Freundin
-- Generell bin ihr wirklich sehr dankbar um ihre Unterstützung und vor allem Verständnis.
-- Meine Scham hindert mich extrem daran, meine Vorlieben ggü. meiner Freundin zu äußern, sodass ich mir selbst im Weg stehe sie auszuleben oder zu äußern
-- Sie weiss gar nicht, was genau ich mir so ansehe. Ich denke ich werde mit ihr mal darüber sprechen, sie hatte auch mal erwähnt, dass sie es schon interessiert
-- Hin und wieder leckt sie mir als Spielerei ein bisschen über meinen Mund oder steckt mir ihre Zunge kurz in den Mund. Danach tut sie ein bisschen angeekelt und verzieht dabei ihr Gesicht ein wenig. Der Punkt ist nun, dass mich genau das tatsächlich ziemlich anmacht, aber durch ihre Reaktion darauf spüre ich nur noch mehr Scham und habe noch weniger Lust das zu äußern. Auch das werde ich mal ansprechen.


Häufig hört man ja, dass eine Sucht auch eine Sehnsucht beinhaltet oder voraussetzt. Und dass vieles in der Kindheit verborgen liegt. Was zunächst irgendwie ausgelutscht klingt und entsprechend etwas unglaubwürdig, ist am Ende doch sehr treffend. In letzter Zeit habe ich mich etwas stärker mit Kindheitserfahrungen beschäftigt. Einerseits durch die Auseinandersetzung mit meinem Job und andererseits durch eine wichtige Frage meiner Therapeutin: ob ich mich mit den Pornodarstellern vergleiche. Dadurch bin ich auf ein großes Thema gestoßen, das wohl hinter vielem steckt: Minderwertigkeitsgefühle. Dafür gibt es drei Ausschlaggebende Gründe: Ich habe Asthma seit früher Kindheit - damit einhergehend außerdem Allergien, ich schwitze sehr stark und mein Penis ist auch nicht der größte, vor allem im schlaffen Zustand da ich einen Blutpenis habe. Ein paar Punkte dazu:

- Minderwertigkeit
-- Ich erwische mich in letzter Zeit häufiger, wie ich mich in jeglicher Situation selbst negativ/minderwertig darstelle. Das ist sicher ein Teufelskreis, da das meine Minderwertigkeitsgefühle noch verstärkt und die wiedderrum bestärken meine negative Eigendarstellung. Ein Beispiel: Wenn es heiß ist und ich in den Schatten muss, weil ich sonst "sterben" würde und jemand anders genießt die Hitze und bleibt in der Sonne, denke ich mir unbewusst, dass es eine "bessere" Eigenschaft ist, in der Sonne bleiben zu können, weil das natürlicher/gesünder ist. Ein anderes Beispiel ist als ich im jugendlichen Alter auf einer Party auf einem Bauernhof war und zu später Stunde viele Leute in die Scheune zum Stroh gegangen sind. Ich wollte da nat. auch mit hin und nach 2 Minuten waren meine Augen angeschwollen, ich habe wesentlich schlechter Luft bekommen als vorher und war in einem Niesanfall verstrickt, während alle anderen fröhlich waren, geredet und geflirtet haben. Der "klassiker" war natürlich auch dabei: als ich mich mal ausnahmsweise getraut habe, nach dem Fußballtraining mit zu duschen, gab es nat. gleich von zwei Seiten Aussagen über meinen kleinen Penis. Das hat mich extrem verletzt. In dem Moment habe ich mich zwar sehr mies gefühlt, wusste das aber gar nicht oder habe es unterbewusst verdrängt.
-- Diese Minderwertigkeitsgefühle haben dann auch dafür gesorgt, dass ich es bei Frauen erst gar nicht versucht habe. Ich war zu schüchtern, habe nicht gedacht, dass es überhaupt Frauen gibt die mich mögen. Als ich dann durch meinen Bruder auf Pornos gestoßen bin, hat das eine Welt für mich eröffnet, ich die ich mich flüchten konnte. Das war mein Ventil für diese Gefühle.
-- Ich habe in den letzten Monaten wirklich häufig gemerkt, wie ich zunächst recht redselig und begeistert von einem bestimmten Thema sein kann, sobald ich aber mitbekomme, dass mein GGÜ mehr Ahnung/Erfahrung auf dem Gebiet/mit dem Thema hat, ich innerlich plötzlich umschalte auf Abweisung und viel weniger darüber Rede und reden möchte. Ich fühle mich dann plötzlich minderwertig. So verbaue ich es mir auch selbst, dass ich mehr über das entsprechende Thema lerne bzw. andere Meinungen höre.


- Zum Thema Bewusstsein
-- Schon 2 oder 3 mal war ich mir in letzter Zeit zu 100% bewusst, dass ich hier gerade mit meinem Penis in der Hand Pornos konsumieren und ich das eigentlich lassen wollte, konnte aber noch(!) nicht aufhören, als wolle mir mein Körper nicht gehorchen, als fehlt der nötige neuronale Impuls für die Handlung. Sobald ich den Gedanken nur kurz wieder fallen lasse, gerate ich wieder ins Unbewusste und bin im Tunnel. Das Werte ich mal definitiv als einen Fortschritt, irgendwann kommt dann sicher auch mal der Handlungsimpuls, die Hand beiseite zu legen. (War schon einmal kurz davor: habe mir vorgestellt wie ich einfach aufhöre, aber kurz danach habe ich wieder aufs Handy geschaut und war zurück "in Trance")
-- Auch andere unbewusste Handlungen geraten manchmal in mein Bewusstsein. Z.B. wie ich automatisch bestimmte Seiten aufrufe oder das schon erwähnte Öffnen eines Inkognitofenters. Das rechne ich u.A. meinem Meditationstraining zu.




--> Meine Schlüsse / "Ergebnisse"
- Mein Ritual, dass ich den Tag am Ende nochmal reflektiere, werde ich mal versuchen meine Gefühle mit einzubeziehen. Wie habe ich mich bei den Situationen gefühlt?
- Auch im Alltag versuchen zu benennen, wie ich mich gerade fühle, wenn mir auffällt, dass da in mir was los ist
- Mit meiner Therapeutin einfach mal üben, über schambehaftetes zu sprechen, indem ich ihr möglichst detailliert schildere, was ich mir ansehe und wie ich mich dabei selbst berühre. Oder welche vorlieben ich habe. Ich scheue mich immer vor Details, wegen des oftmals erwähnten Schamgefühls.
- Positiveres Denken: Ich habe nun "gesehen", dass ich mich häufig in ein negatives Licht rücke. Ich möchte versuchen, dass mir das häufiger bewusst wird, denn das ist der 1. Schritt Richtung Besserung. Sobald mir das bewusst wird, kann ich eingreifen und mir klar machen, dass das nur ein eingeübtes Denkmuster von mir ist.
- Einschränkung der Handynutzung: nicht alle 20 Minuten mal drauf schauen, sondern nur "wenns sein muss" (-> Telefonieren um was auszumachen, Checken wann ein Termin ist etc.)
- Um etwas "runter zu kommen" von meiner Hibbeligkeit, lege ich mir ein Spektiv zur Naturbeobachtung zu. Dann kann ich damit und ohne Handy mal raus und ganz ruhig etwas angehen wofür ich mich interessiere. Ich habe im erwähnten Urlaub häufig mit einem Fernglas die Gegen beobachtet und dabei gemerkt, dass das sehr interessant sein kann.
- Wenn ich diese Langeweile, diese Überforderung spüre, einfach mal probieren sich ein Thema rauszusuchen und darin zu vertiefen und dabei zu bleiben. (Beobachten was das Unterbewusstsein währenddessen macht). Im Grunde so wie du - ITGuy - das vorgeschlagen hast (danke dafür!).

So, bis zum nächsten Eintrag. Viel Erfolg allen mitlesern, hoffe ihr könnt evtl. die eine oder andere Erfahrung von mir nutzen.
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#9
Wahnsinn wie du hier offensichtlich einige Baustellen angehst und diese auch wirklich bearbeiten mochtestu, ich ziehe meinen Hut vor dir!

Ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft!
LG, I.
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#10
Genau 2 Monate vergangen seit meinem letzten Beitrag. Heute wird es etwas kürzer.

Ich merke, dass sich etwas tut. Zwar bin ich noch lange nicht frei vom Suchtdruck und vom Konsumieren, aber es fühlt sich an als würde sich etwas ändern. Anfang August war ich mit meiner Freundin im Urlaub, dort gab es gar keine Probleme, habe nicht an Pornos gedacht und wir hatten ca. 1x am Tag sex. Alles gut. Danach habe ich noch 2 Tage durchgehalten, dann kam allerdings der Rückfall, bestimmt 3 Tage am Stück. Immer allerdings ohne Masturbation. Mein Muster hat sich geändert. Ich schaue die Pornos häufig nebenbei, nicht mehr durchgehend sondern immer mal. Dadurch zieht sich das Ganze länger hin, aber es ist weniger intensiv. Ich will mir das bestimmt nicht schön reden, aber für mich ist es ein guter Schritt, dabei nicht zu masturbieren und mich kaum zu berühren (hin und wieder streichle ich meine Nippel dabei, bin dort ziemlich sensibel).

Heute morgen war das letzte Beratungsgespräch und ich fühle mich immer sehr gut hinterher. Jetzt habe ich vor wieder einen Schritt weiter zu gehen und mit meiner Freundin intensiver zu reden. Der letzte Rückfall hat mir gezeigt, dass es in mir unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse gibt. Das merke ich auch daran, dass ich auch ein Weilchen nach echtem Sex wieder Lust auf Pornos habe. Wenn ich Pornos konsumiert habe und dazu auch masturbiert habe, bin ich für die nächsten 1-2 Tage frei von jeglichem Verlangen. Das zeigt mir, dass ich diese Bedürfnisse zumindest teilweise auch ausleben muss und möchte. Wohl nicht in der Form, wie ich diese Praktiken in den Pornos sehe, aber in einer abgemilderter Form. Meine Scham hindert mich immernoch massiv daran, offen meiner Freundin ggü. diese Bedürfnis anzusprechen. Heute habe ich das erste mal meiner Therapeutin etwas detaillierter geschildert, welche Filmchen ich mir so ansehe. Das ist mir wirklich schwer gefallen und alle Details habe ich noch nicht genannt. Das Spannende war, dass sie das gar nicht "seltsam", "absturs" oder schamhaft fand und mir durch Vergleiche gezeigt hat, dass das überhaupt nichts Schlimmes ist. Die Blockade besteht nur in meinem Kopf. Es tut gut, so etwas von außen zu hören, selbst kann man sich das nur schwer glaubhaft machen. Das möchte ich mir öfter bewusst machen. Der andere Punkt warum es mir so schwer fällt über sexuelles zu reden ist einfach die Tatsache, dass ich es nie gelernt habe, es stellt für mich nichts Normales dar. Sollte sich die Chance ergeben darüber zu reden, werde ich es versuchen in Zukunft offener anzugehen. Erzwingen muss ich das nicht, ich lass es auf mich zukommen.

Soviel mal von mir, in Zukunft wird es auch ein bisschen öfter updates geben.
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